Heute kein Fußball – El Clàsico und der Nahe Osten

Die Berliner Fußballzeitschrift 11 Freunde versucht sich vor dem Clàsico in Spanien im Israel-bashing – Und da hat jemand geübt – oder abgeguckt. Das alles hat garnichts mit Fußball zutun, aber wir machen mit.  So viel Dreistigkeit lässt schließlich nicht kalt.

Kein wichtigeres Thema könnte es für ein Blatt mit dem Schwerpunkt Fußball geben, als – ja leider – den Nahostkonflikt.

Anlass ist der Clàsico-Besuch eines jungen Israelis. Der Soldat Gilad Schalit wurde am 25. Juni 2006 in einem brutalen Angriff auf seine Einheit entführt und im Oktober 2011 im Austausch gegen über 1000 palästinensische Gefangene Israels freigelassen.

Unter ihnen befanden sich Terroristen und solche, die es zweifelsfrei werden wollten. Beispiele von Mördern an jüdischen Zivilisten sind unter ihnen reichlich zu finden. Tamimi Aref Achlam und Muhammad Wa’al Douglas töteten 15 Menschen in einem Restaurant in Jerusalem und dürfen sich von Tausenden als Volkshelden feiern lassen. Nicht als einzige.

Schalits Besuch des zweifellos wichtigen Spiels in Barcelona gefährdet laut dem Artikel nun den Ruf des großen FC Barcelona. Wer? Warum?

Die Schuldfrage wird über dem Titel und im folgenden Text eindeutig geklärt:

“Warum ein ehemaliger Gefanger der Hamas Barcas Image gefährdet”

Gilad Schalit hat sich nicht selbst entführt. Bei seiner “Gefangennahme” wurden 2 seiner Kameraden getötet. Wenn man irgendeinen Zusammenhang zwischen dem Fall der Entführung Schalits und dem Imageverlust des FC Barcelona herstellen will, dann ist es die allerletzte Wahl dem Jungen selbst die Schuld zu geben.
Was 11Freunde meint, ist seine Anwesenheit beim Spiel. Entweder gibt es also ein Problem mit seiner Existenz oder seiner Reisefreiheit. Beide sind in der Welt des gesunden Menschenverstandes nicht anzuzweifeln. Viel Glück hat der Junge es zu verdanken, dass es ihn noch gibt und reisen darf er jetzt auch. Erst recht, nachdem man ihn jahrelang an einem unbekannten Ort festhielt. Man wünscht sich ein Stadionverbot für ehemalige israelische Häftlinge der Hamas…
…und wagt eine Prognose:

“Aber dieses Aufeinandertreffen wird anders sein als die Spiele zuvor”

Am 07.10 um 22:35 titelt der Kicker: “2:2 – El Clasico gehört Messi und Ronaldo” (Nicht der Hamas) und schließt den Artikel mit dem Satz “Nach exakt 17:14 Minuten kamen “Independència, Independència”-Rufe auf, die die am 25. November anstehenden Wahlen in Katalonien in den Mittelpunkt rückten. Im Jahr 1714 hatte die Region ihre Unabhängigkeit verloren.”

Das ist wichtiger, interessanter und für 11Freunde offenbar kein Thema, kann man doch gegen Israel schreiben und zitiert einen Brief von Mahmoud Sarsak. Der wurde auch unrechtmässig gefangengenommen. Von Israelis.

“Der Brief endet mit dem Satz: »Gilad Shalit willkommen zu heißen, ist wie einen SADF Soldaten (Soldaten des südafrikanischen Apartheitregimes. Anm. Der Red.) in den 1980ern während eines europäischen Fußballspiels eingeladen zu haben. Hättest du das getan, FC Barcelona?«”

Sarsak holt in seinem Schreiben die gute alte Apartheitskeule raus und in der 11Freunde-Redaktion nimmt man sie dankend entgegen. Hier zeigt sich auch, dass sich hinter dem Artikel ein geübter Israelhasser verbirgt. Die herbeigeredete Apartheid in Israel mit seinen 20% arabischer Bevölkerung hat System – schon lange und woanders. Sarsaks Satz ist willkommen und schwachsinnig. So schwachsinnig, dass man ihn zitieren musste.

“Seine Geiselnahme nahm die israelische Regierung zum Anlass, den gesamten Gazastreifen abzuriegeln, von der Öffentlichkeit zu isolieren.”

Diesen Satz mit Fakten zu widerlegen ist blanke Zeitverschwendung – ich will ja schließlich noch das Spiel von gestern Abend nachbereiten. Die israelische Blockade lässt massenhaft Güter durch – nur keine Waffen. Die braucht die Hamas aber für ihre Öffentlichkeitsarbeit und den Vollkontakt zur Außenwelt. Na, über das Recht auf Waffen sollte ein werdender Staat doch selbst entscheiden können. Böse Isolanten!

Es bleiben die Zweifel am Grund und Auslöser des Krieges 2008. Fest steht, dass die “Operation Gegossenens Blei”, die 11Freunde meint, unter anderem die Folge anhaltender Raketenbeschüsse aus dem Gazastreifen war.

Weder Gilad Schalit noch seine Entführer haben den Gaza-Krieg 2008 ausgelöst, aber genau das wird hier suggeriert. Die Folgen von Schalits Fauxpas sind verheerend:

“in dem 1400 Palästinenser getötet und 500 schwer verletzt worden”

Und keine Israelis. Zuvor bei den Raketenangriffen und Terroranschlägen auf zivile Opfer auch nicht. Starben auch Hamas-Kämpfer? Und wie erklärt sich die Zahl der getöteten Zivilisten? Sternstunden der einseitigen Berichterstattung.

“Der schmächtige Junge wurde für die Palästinenser in Gaza zur Symbolfigur von Isolation, Krieg und Tod. In seiner Gefangenschaft erfuhr er ähnliches: fünf Jahre war er isoliert, gefangen in einem Kellerloch ohne Tageslicht.”

Eine Symbolfigur ist Schalit bei den 11Fragezeichen auch. Der schmächtige, schüchterne Judenbengel löst durch seine törichte Verhaftung Kriege aus und wird zum stets präsenten Bild von Isolation, Krieg und Tod beim unterdrückten palästinensischen Volk. So einen Schwachsinn würden vermutlich nicht einmal die schlimmsten unter den Palästinensern selbst behaupten.
Man macht Pause und zitiert den Unfug eines anderen – die Stellungnahme des Vereins:

“»FC Barcelona, für Frieden und Harmonie im Nahen und Mittleren Osten«.”

Die einfachste aller Forderungen. Und das hier gern zitierte Niveau solcher, die Harmonie zwischen einer gelebten Demokratie und einer Hamas fordern, die Juden lieber tot als lebendig sieht und ihre “eigene” Bevölkerung brutal unterdrückt.

Zurück zu Mahmoud Sarsak:

“Mahmoud Sarsak lehnte die Einladung ab.”

Da bleibt dem ambitionierten Groundhopper die Spucke weg. Es mag engstirnig klingen, aber nicht einmal bei der Anwesenheit meines Todfeindes würde ich den Clasico meiden. Das ist die Entscheidung eines Fußballbegeisterten und – so viel Respekt muss sein – eine Äußerung der eigenen Meinung:
Ist mein jüdischer Leidensgenosse auch unter den tausenden Besuchern, bleibe ich fern. Why not?

Es braucht noch einen letzten Absatz mit dem Titel:

“Die Hamas boykottiert den Clasico”

Diese Einschätzung ist erwähnenswert. Eine „demokratisch gewählte“ Terrororganisation boykottiert ein Sportevent. Das muss offenkundig für gemeinsame Empörung und Solidarität sorgen. Tatsächlich aber ist es jedem freiheitsliebenden Menschen egal, ob die Hamas oder die Fatah oder die Hisbollah irgendetwas boykottieren. Im Gegenteil sollten diese Terroristen selbst Opfer von Protesten, Boykotts oder im Zweifelsfall, wenn sie sich mal richtig danebenbenommen haben, Militäroperationen Israels sein. Wer diesen Satz für wichtig nimmt und ernsthaft in eine Zeitung schreibt, der begreift den Nahostkonflikt entweder von einer ganz perfiden Seite oder hat einfach garkeine Ahnung.

“In den vergangenen Wochen brannten während der Proteste wegen des islamkritischen Films in der arabischen Welt Flaggen,”

…und es wurden Menschen getötet. Das lassen wir raus. Bisher war das bei der Fußballzeitung ja der Part von israelischen Gaza-Besatzern. Wird es auch bis zum bitteren Ende des Artikels bleiben.
Und das liest sich so:

“man kann nur hoffen, dass nicht bald Trikots des FC Barcelonas in Flammen aufgehen. Die Marke Barcelona ist zumindest in diesem Teil der Erde in Gefahr.”

Es wäre eine Verschärfung der humanitären Situation in Gaza und dem Westjordanland. Während die Israelis brutale Blockaden errichten und die Palästinenser vom Rest der Welt – gegenüber der sie so offen sind – isolieren, verbrennt der Barcelona-Hasser sein letztes Hemd gegen den jüdischen Imperialismus. Das ist der Zusammenhang, den 11Freunde sehen will und er ist so kurios, dass man sich fast über die Bilder freuen würde.

Und zum Schluss ist das alles die Schuld von Gilad Schalit. Dem schmächtigen, schüchternen Jungen aus Israel, der sich ein Fußballspiel in Barcelona ansehen wollte.

Kritik an ihm gibt es dennoch zu äußern. Viele Vereine Europas haben ein ernsthaftes Tourismusproblem. In Manchester, Barcelona und Madrid sitzen zuweilen nur noch Menschen auf Stadtbesichtigung in den Stadien. Selbsternannte Barcelona-Fans wie Gilad Schalit, welche die Gesänge, die Kultur und die Geschichte des Vereins von Fall zu Fall nicht kennen, sorgen mittlerweile für Stille in den einstigen Traditionsküchen des europäischen Fußballs.

Sollen die Palästinenser das Spiel meiden. Fernseher müssten doch bei der aushungernden Blockade der Israelis eh Mangelware sein. Oder man kauft sich hier einen. Barca-Trikots gibt es dort auch. Und air-conditioning.
Wir hoffen, dass 11Freunde sich in Zukunft aus der Politik fernhält. Vorallem von Israel und Palästina, wo es doch auch dort so viel über Sport zu berichten gäbe.

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3 thoughts on “Heute kein Fußball – El Clàsico und der Nahe Osten

  1. Helen Staude ist Islamwissenschaftlerin, das sagt doch schon fast alles. Ist doch klar was da raus kommt: “Berechtigte Kritik” unter “Freunden”. “Denn gerade wir mit unserer Vergangenheit, haben eine besondere Verpflichtung” bla bla, dröhn, seier, sülz, oh man ich glaub ich hab schon zu viel vom modernen Antisemitismus gelesen.

  2. Ich habe den Namen der Autorin und ihre Hintergründe zur Sicherheit direkt wieder vergessen. Wer hat sie eingeladen? Das ist meine nächste Frage.

    Sie nennt sich bei Twitter auch “I am a journalist and expert on the Middle East”.
    Das kann seitdem eigentlich jeder behaupten, oder?

  3. Na gut, das Problem der europäischen Traditionsstadien sind keine Nachwuchssportreporter die versuchen an etwas Erfahrung zu gelangen.

    Schön ist auch zu sehen, wie Frau S. eine vermeintlich neutrale Position bezieht, indem sie sowohl über Gilat schreibt, der in einem Kellerloch und alles leben musste, dann aber über die generelle “Unterdrückung” der sogenannten “Palistinänser” schreibt.
    Ihr Fazit: Der arme schmächtige Israeli, neunzehnjahre alt, von seinem Land für einen Krieg missbraucht. Auf der anderen Seite die “Palistinänser”, welche ohne anschließende Kommentierung oder Richtigstellung den Staat Israel einen Apartheitsstaat nennen dürfen. Dazu noch eine Beschreibung des Gazastreifens, der wohl hohe Ähnlichkeit mit Dresden 45 besitzen muss und schon hat man ein Gemisch, das Menschen, die nicht mit der Thematik betraut sind, (wovon man ja bei Lesern der 11Freunde durchaus ausgehen kann) zu überzeugten Israelhassern macht.
    Als ob wir nicht schon genug Probleme mit Antisemitismus im Fussball haben!

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